Die Welt als Spiel

Bei der Beschäftigungen mit vielen Bereichen der Innovation und Zukunftsforschung habe ich festgestellt, dass es eine hervorragende gedankliche Basis ist, sich die Welt als ein Spiel vorzustellen. Oder als viele Spiele. Und zwar Spiele, die ihre Spielregeln gelegentlich ändern. Entweder „von selbst“ (das nennt sich dann Evolution), oder durch Erfinder neuer Spielregeln (solche Leute nenne ich „Change Maker“).

Egal ob in Unternehmen, in Gesellschaften oder im eigenen Kopf: Wir richten uns nach bestimmten Spielregeln die unserer Möglichkeiten und Grenzen mitbestimmen und spielen nicht immer dasselbe Spiel. Es gibt nicht nur Fußball, sondern bestimmte Ereignisse bewirken, dass neue Spiele möglich sind.

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Diese „Spielregeln“ verstecken sich hinter vielen Begriffen. „Glaubenssätze“, „Vorannahmen“, „praktische Erfahrung“, „Theorie“, „Kochrezepte“ sind alles Wörter für Spielregeln, sei es in Branchen, im Arbeitsalltag oder bei der Lebensführung. Im Extremfall dann noch Begriffe wie „Naturgesetze“. Wenn Sie einmal eine Weile darüber nachdenken, werden Sie sicherlich bei vielem was Sie umgibt oder mit was Sie sich beschäftigen feststellen können, dass es auf Spielregeln beruht, es nicht so sein müsste, wie es ist.

Aus dieser Logik heraus suche ich eben in meiner Arbeit nicht Forecaster oder Trendforscher (die bleiben meistens innerhalb des aktuellen Spiels), ich will Menschen, Unternehmen und Regionen, die Spielregeln prägen, bessere Reflexe haben, mehr Menschen einbinden, schneller vernetzen. Kaum ein Wunder, dass mich die digitale Revolution interessiert, denn sie ist ein wesentlicher Treiber für veränderte Spielregeln. Echte Innovation und wirkliche Zukunftsorientierung hat für mich etwas damit zu tun, die Spielregeln zu ändern.

Robert Dilts sagt, dass vieles von dem was uns umgibt, früher einmal nur eine Idee, ein Traum, eine Vorstellung im Kopf einer Person war. Das ist natürlich eine schöne Vorstellung, aber darin ist auch eine kleine Schwierigkeit versteckt. Denn: Das Schlimmste ist, wenn wir vergessen haben, dass wir die Spielregeln einmal gefunden oder erfunden haben. Und sie uns aber immer noch prägen. Denn dann können wir sie nicht ändern. Wir wissen ja gar nicht, dass sie da sind!

John Maynard Keynes schrieb darüber, dass gerade „Praktiker“ oft Sklaven schon lange verschimmelter Denker sind, die Spielregeln erfunden haben, nach denen sich die Praktiker richten. Ohne sich dessen bewusst zu sein. Er schrieb das über die Ökonomie, aber das Bild passt auf Vieles. Gerade diese „unbewussten“ Spielregeln sind in der Regel die wirksamsten. Wir handeln ihnen gemäß, ohne das auch nur einen Hauch in Frage zu stellen.

Das Gefährlichste sind Erfolge. Denn sind wir mit einer Methode, einem Ansatz lang genug erfolgreich, glauben wir, das sei „für immer“. Wir glauben also nicht, dass es die gerade angemessene Spielregel ist, sondern dass es „das Richtige“ ist. Nach einer Weile Erfolge glauben wir, das sei „Realität“, das sei so etwas wie ein Naturgesetz und vergessen, dass wir diese Realität selbst erfunden haben. Realität ist nicht fix, sie ist eine Option.

Wenn wir wissen, wo bestimmte Spielregeln herkommen und auf welchen Grundannahmen sie beruhten, können wir sie auch tiefgreifender ändern, wenn dies nötig erscheint.

Um diese etwas allgemeinen, „philosophischen“ Ansätze mit Leben zu füllen, lesen Sie in den nächsten Beiträgen einige typische Geschichten über vergessene Spielregeln und wie sie trotz des Vergessens Innovation behinderten.

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2 thoughts on “Die Welt als Spiel

  1. Pingback: Die Nadel die alles veränderte | Das Abenteuer Zukunft

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