Die Nadel die alles veränderte

Heute eine weitere Story über Spielregeln und wie sie sich umfassend ändern können. Diesmal aus der Welt der Musik.

Zu den Hoch-Zeiten der Big Band Ära (also in den 30er und 40er Jahren) wurden die Bands immer größer. Da wusste ein Veranstalter kaum mehr, wie viele Stühle für weitere Saxophonisten, Trompeter und andere er noch auf die Bühne stellen musste. Ebenso auch die Musik selbst: Die übereinandergetürmten Harmonien wurden immer komplexer und umfangreicher. Hört man sich z.B. die Arrangements von Stan Kenton an, sind die weit entfernt von den Anfängen in kleinen Jazz-Combos. Mit diesem wachsenden Bombast beschäftigte eine solche XXL-Big Band natürlich eine Menge Musiker.

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Aber plötzlich, in den 50ern, veränderte sich das Bild radikal. Die Gruppen der führenden populären Musik-Stars verwandeln sich in etwas deutlich Kompakteres. Stellen Sie sich einfach die Beatles der 60er vor und stellen Sie diese gedanklich neben die Dekadenz-Big Bands der Glanzzeiten. Klar: der Musikerbedarf war erschreckend gesunken …

Wieso der radikale Schwenk?

Es war nicht etwa der Musikgeschmack, sondern eine Spätfolge davon, dass ein Herr namens Les Paul die Nadel eines Schallplattenspielers an seine Stahlsaitengitarre gehalten hatte. Diese kleine Handlung änderte eine der Kernspielregeln der Bühnenperformance. Denn Big Bands waren vor allem deshalb groß, damit sie laut waren und sich damit in den riesigen Tanzsälen der30er gegen den Lärm durchsetzen konnten. Les Pauls Erfindungen eröffneten das Zeitalter von E-Gitarren und Verstärkerwänden und damit brauchten aufstrebende Musiker nicht mehr das „Produktionsmittel“ der Bombastband. Wenige Gitarren reichten jetzt für ein Stadion. Leute, die am Erfolgsrezept des „Groß ist geil“ festhielten, weil das ihrer Ansicht nach die Spielregel war, spielten ab dann für den populären Erfolg im falschen Spiel.

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