Sollen wir mal über Reproduktives Klonen reden?

So, nun ist das „erste Mal ein Mensch geklont worden“ (wobei das – ohne die wissenschaftliche Leistung schmälern zu wollen – schon etwas übertrieben ist. Ich verwechsle auch nicht meinen Nachbarn mit seinen Hautschuppen) und die ZEIT titelt schon „Frankensteins Traum wird wahr“ (und wobei das mit dem Frankenstein mit diesem Thema eigentlich relativ wenig zu tun hat).

Und plötzlich flammt die Debatte wieder auf, was das alles in der Zukunft so bedeuten könnte. Diese Debatte gab es schon einmal vor einigen Jahren, getragen von den klassischen Medien, die überwiegend uninspirierten Unsinn schrieben oder sendeten. Da ich mich damals schon fleißig darüber geärgert habe, setzte ich mich hin und recherchierte die wissenschaftlichen , gesellschaftlichen und auch religiösen Ideen zum Kern der Diskussion, dem reproduktiven Klonen.

Die angesammelten Ideen in zusätzliche Artikel und Podcasts zu packen erschien mir zu langweilig, und so schrieb ich auf der Basis einen Roman. „Die einzig Wahre“ handelt von einem Projekt von Medienbossen, die antike Kleopatra zu klonen, um einen kultigen Filmstar vorweisen zu können. Und spielt in guter Science Fiction Manier fort, was sich im Detail dann daraus entwickelt. In diesem Roman werden die verschiedenen Konzepte und Einstellungen durch die Hauptfiguren verkörpert oder erklärt.

DieEinzigWahre_CoverMein Schluss war, dass es eigentlich im Ergebnis ziemlich banal ist (das Klonen, nicht der Roman 🙂  ) und wir uns besser über irgendetwas Sinnvolleres aufregen sollten. Aber anscheinend ist (siehe ZEIT) darüber noch nicht genug gesprochen worden.

Da die von den Figuren in „Die einzig Wahre“ geführten Diskussionen aus meiner Sicht die Positionen zum Thema nach wie vor ziemlich vollständig abbilden, empfehle ich den Roman hier zur Lektüre als Alternative zur Sensationspresse und hoffe, dass viele das per Retweet, Liken etc. auch tun.

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Citizen Science

Wie kann es sein, dass ein Forschungsprojekt im Bereich der Mikrobiologie und Medizin 150 Millionen Dollar kostet und dabei während einiger Jahre nur rund 250 Menschen untersucht, ein anderes hingegen in nur einigen Wochen mehr Menschen beteiligt und jeder weniger als 100 Euro zahlt? Die Antwort ist Citizen Science, die Anwendung der Social-Network-Idee auf die Wissenschaft. Und damit ein Trend, der viel bewegen kann.

Science-Cheerleaders

 

(Bildquelle: Scistarter.org)

Das zitierte Projekt ist uBiome, bei dem die Zusammensetzung der Mikroben bestimmt wird, die im und am menschlichen Körper leben. Diese sind interessant, weil nur ein Zehntel der Zellen, die unseren Körper ausmachen, eigene Körperzellen sind, der Rest sind z.B. Bakterien. Der Mensch ist selbst so eine Art Social Network, ein kollaboratives Wesen. Und da wir so langsam verstehen, dass das sogenannte Mikrobiom mitbestimmt, ob wir auf Diäten reagieren oder ob Medikamente bei uns wirken, ist es ein relevantes Forschungsgebiet. uBiome kombiniert jetzt Crowdfunding mit Citizen Science. Teilnehmer/ Sponsoren finanzieren das Projekt über eine Crowdfunding-Plattform und bekommen für das Geld einen Set zum Probennehmen. So hat das Team von uBiome die Finanzierung und die Testpersonen mit Proben, und jeder Teilnehmer eine Analyse seines persönlichen Mikrobioms, eingebunden in ein Netzwerk das ständig neue Auswertungsergebnisse präsentiert.

Dies ist ein typisches Beispiel für „Bürgerwissenschaft“, bei der ganz normale Menschen die Projekte finanzieren, in Umsetzung und Ergebnisse direkt eingebunden sind, im Gegensatz zu klassischer Forschung großer Institute und staatlicher Stellen. Und man sieht eine Menge der Vorteile:

  • Über die Crowdfunding-Finanzierung können die Menschen selbst bestimmen, was sie interessiert, wofür sie ihr Geld ausgeben wollen.
  • Messung und Proben werden durch die Teilnehmer selbst durchgeführt, denn sie interessieren sich mehr als jeder sonst für ihr lokales Umfeld und Sachen wie ihren eigenen Körper. Außerdem sorgt das für große Mengen an Proben und die auch noch vielfältig über die Welt verteilt.
  • Die spannenden wissenschaftlichen Fragen werden selbst durch die Teilnehmer ge- und erfunden, schließlich wissen sie, welche Probleme sie gerne gelöst hätten.
  • Die Ergebnisse werden direkt kommuniziert und genutzt. Denn bei Citizen Science sind die normalen Menschen direkt eingebunden, können Fragen stellen, bekommen ihre Daten und die Erkenntnisse aus allen Daten. Sie sind hautnah dabei.

Wie wäre es, wenn die Forschung zu vielen unserer großen Fragen direkt in den Händen der Bürger läge? Mit dem enormen Hebel, den die „Crowd“ bei Finanzierung, Input und Verbreitung hat?

Mehr dazu im Interview mit Jessica Richman bei Das Abenteuer Zukunft!

Außerdem wurde ich Country Ambassador Deutschland für uBiome und habe zu meinen Erlebnissen dabei einen eigenen Blog eröffnet: Mein Mikrobiom und ich 🙂