Drei Säulen

In meiner Arbeit im Zukunftsfeld sehe ich drei mächtige Einflussfelder, die Hebel für uns darstellen. Sie entwickeln sich rapide und steigern sich gegenseitig in ihrer Wirkung erheblich: Künstliche Intelligenz, Vernetzung und Hyperhumanismus.

3Hebel

Starten wir mit der Künstlichen Intelligenz. Wenn der Moment gekommen ist, an dem Künstliche Intelligenz die menschliche überschreitet, wird vieles anders werden, wie Ray Kurzweil es immer wieder sehr eindrucksvoll beschrieben hat. Wie wollen Sie in vielen Feldern mit einer Maschine konkurrieren, die nur 1.000 Euro kostet und Ihr Gehirn bis in die letzten Details mal eben nebenbei simuliert? Gar nicht, und deshalb nutzen wir sie besser. Denn wir müssen gar nicht futuristisch dabei werden, denn schon die Empfehlungssysteme heutiger Shoppingportale sind die Früchte Künstlicher Intelligenz. Die enormen Datenmengen zu verarbeiten funktioniert nur mit Intelligenz auf einem neuen Level.

Für mein Empfinden gibt es kaum etwas, was so unterschätzt wird, wie die Künstliche Intelligenz. Schließlich wurden da über Jahrzehnte wahre Wunder versprochen und trotzdem lachen wir auch heute noch über die zaghaften Versuche von Computern so zu tun, als sein sie intelligent. Aber Zukunftsforscher kennen den Effekt der S-Kurve.

S-Curve

Innovationen brauchen immer länger als man denkt, bis sie zum Tragen kommen („long nose“). Wenn sie dann aber einmal „abgehen“, gehen sie das viel schneller, als es je vorstellbar war. D.h. wenn sich die Versprechen der Künstlichen Intelligenz erfüllen, wird das schneller und umfassender passieren, als wir glauben. Und die Auswirkungen gehen von wirklich intelligenten künstlichen Freunden bis hin zu einer denkbaren Post-Scarcity Society.

Der zweite Hebel ist die Vernetzung. Wir sehen schon die Auswirkungen, wenn man viele Menschen miteinander über das Internet vernetzt. Am „Internet-der-Dinge“ bauen wir schon, in dem die Geräte und künstlichen Intelligenzen direkt miteinander „reden“ können. Wisdom-of-Crowd-Anwendungen wie die Prediction Markets zeigen, wie Kommunikations- und Entscheidungsprozesse ablaufen können, wenn wir durch digitale Vernetzung die alten Strukturen kippen und individuelle Vielfalt verknüpfen.

Metcalf

Hinter der Vernetzung stehen fundamentale Prinzipien, wie das Metcalfsche Gesetz, das besagt, dass ein Netzwerk immer sinnvoller wird, je mehr Teilnehmer darin eingebunden sind. Und wenn dieses Netzwerk die Menschheit ist, wie viel sinnvoller können wir alle füreinander werden? Den anderen Aspekt zeigt die Kreativitätsforschung: dass Ideen durch das Aufeinanderprallen von Verschiedenheit entstehen. Dazu muss es Gelegenheiten geben. Und Vernetzung schafft sie. Die Chancen stehen also gut, dass wir unsere Innovationsrate steigern, nur indem wir mehr Menschen miteinander vernetzen. Und durch die Vernetzung eine ganz neue Qualität von Gesellschaft entsteht.

Der dritte Hebel ist Hyperhumanismus. Das ist die Idee, herauszufinden, was den Menschen wirklich im Kern auszeichnet, wofür er einzigartig ist, und das zu entwickeln, zu verstärken. Das beginnt zuerst einmal mit etwas, was den meisten Menschen eher Angst macht, nämlich herauszufinden, worin der Mensch nicht einzigartig ist, worin ihn z.B. auch eine Maschine ersetzen könnte. Es erfordert Mut und Selbsterkenntnis, das zutiefst Menschliche zu erkennen und sich nicht herauszureden, indem man meint „das könne eine Maschine nie“ oder einfach bestimmte Sachen nicht zu erforschen, nur um keine unliebsamen Einsichten zu erhalten. Stellen wir uns aber der Erkenntnis, können wir uns auf unsere „Core Competency“ einschießen. Wir konzentrieren uns dann auf das Besondere im Menschen und erledigen den Rest auf eine neue Art und Weise.

Spannend jetzt, was die drei Hebel miteinander zu tun haben. So bewirkt die digitale Vernetzung, dass die Künstliche Intelligenz mehr Datenmaterial bekommt (siehe Empfehlungssysteme). Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz sorgt für Einsichten darin, was Menschen auszeichnet und ist damit die Voraussetzung für den Hyperhumanismus. Und der Hyperhumanismus gibt das Rahmengerüst, die Chancen der Vernetzung und der künstlichen Intelligenz intensiv und fruchtbar zu nutzen. Besonders effektvoll daher, wenn man alle drei Wege mit Hingabe beschreitet.

Eine gute Basis für Zukunftsworkshops ist also, die nächsten Jahre einmal unter diesen drei Gesichtspunkten zu betrachten. Konkrete Anwendung aus meinem Arbeitsumfeld: Viele Verkaufsbereiche in Unternehmen sagen im Moment noch ziemlich stur, dass „niemand den Menschen im Kundenkontakt ersetzen kann“. Und machen dann im Verkauf weiter wie bisher. Auf der anderen Seite sieht man das stetige Wachstum sehr erfolgreicher Internet-Portale, die Verkaufsberatung und Verkauf integrieren. Und denkt man sich die Entwicklungen im Bereich KI und Vernetzung weiter, könnte man schnell auf den Gedanken kommen, dass der Mensch im Verkauf komplett ersetzbar ist.

Was macht aber ein Unternehmen, das in den drei Säulen denkt? Es nutzt alle Hebel! Es nutzt enthusiastisch die Möglichkeiten der Internet-Portale, aufgepowert mit Künstlicher Intelligenz und automatisiert mit höchster Konsequenz. Gleichzeitig sucht er genau die Essenz dessen, was die Rolle des Menschen im Verkauf ausmacht und bringt seine eigenen Mitarbeiter im Verkauf in diesen Bereichen zu höchster Exzellenz.

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