Wir sind Mond

Vor über fünf Jahren interviewte ich an einem wunderbaren Sommernachmittag in Berlin in einem geräuschvollen italienischen Restaurant gegenüber der Gedächtniskirche das deutsche Team für den Lunar XPRIZE für meinen Podcast.

Die Gruppe um Robert Böhme war mit Feuereifer dabei, einen Rover für den Mond zu bauen. Und das sozusagen in ihrer Freizeit, weswegen sie diesen Umstand auch direkt zu ihrem Namen erkoren: Part Time Scientists.

parttime

Eine solche Aktivität passte einfach zu gut in das allgemeine Konzept von „Das Abenteuer Zukunft“, schließlich wurde dort schon oft von den „Dilettanten“ gesprochen (z.B. in Podcast Nummer 23) , also denen die etwas gerne aber auf höchstem Niveau tun,  als Gegenmodell zu dem, wie Forschung und Produktion bisher in der Gesellschaft betrieben wurden. Individualisten, die sich durch das Internet leicht und effektiv vernetzen können und durch Tools z.B. aus der Medienproduktion oder 3D-Drucker die Möglichkeiten haben, es den „Profis“ gleichzutun.  Aber mit mehr Freiheit und Kreativität, da sie sich nach eigenen Spielregeln richten können. Wie Podcaster eben 🙂

Ich sagte in der Sendung:

„Früher dachten wir, es gibt Dinge, für die braucht man eine richtig große Organisation, ein richtig großes Unternehmen oder was Staatliches. Gerade alte Science Fiction Filme oder Thriller nähren doch diese Idee: Da sehen wir gigantische Räume, Wahnsinnsmaschinen, Heerscharen von Leuten in weißen Kitteln, die aufgeregt um Großrechner oder was Ähnliches herumrennen. Für die richtig großen Projekte braucht man Manpower. Rettung der Welt, Entwicklung neuer Medikamente, der Welthunger etc.

Z.B. die Raumfahrt, da ist eh alles etwas überdimensioniert. Wer käme da auf die Idee, dass man nicht mindestens die NASA braucht, um auf dem Mond zu landen? Und waren es nicht die legendären Weltunternehmen, in deren Entwicklungslabors die bahnbrechenden Erfindungen getätigt wurden?

Aber so wie es aussieht, könnte mit dieser Notwendigkeit der Größe immer stärker Schluss sein. Es ist vielleicht genau umgekehrt, dass die Zukunft gerade den kleinen, hochvernetzten Strukturen gehört. Durch digitale Medien koordinierte, engagierte Individualisten könnten dasselbe und mehr erreichen, als ein großes Unternehmen oder eine große Behörde. Was mit Open Source für Software begann, zieht Kreise. Man könnte es das UNIX versus LINUX-Prinzip nennen. UNIX kam aus den Bell Labs von AT&T, die zwar auch sechs Nobelpreisträger unter ihren Leuten hatten, aber eben auch zu Hochzeiten rund 30.000 Mitarbeiter. LINUX ist die lockere Vernetzung engagierter Individuen. Ohne Unternehmen, ohne Gigant-Organisation.

Klein und vernetzt könnte der Zukunftstrend sein. Schnell und flexibel sein, klein bleiben, bevor man systemrelevant wird und dann von irgendwem gerettet werden muss.

Wir haben in Das Abenteuer Zukunft ja schon einige solche Dinge gesehen, bei denen gut vernetzte Einzelne höhere Leistungsfähigkeit aufwiesen als die bisherigen Gigantlösungen. Wie z.B. bei Smava aus Podcast Nr. 41, bei denen sich die Leute gegenseitig direkt die Kredite geben, sich selbst überlegen, wem und zu welchem Zins. Ohne dass eine Bank das entscheiden muss und meine Zinssätze vom Konsens des Weltmarkt abhängen. Kapitalismus richtig verstanden. Unternehmerisch und zwischen Individuen.“

Dieses Leitmotiv wurde in Abenteuer Zukunft fortgesetzt, z.B. mit uBiome, der Citizen Sience Plattform, die sich anschickte, etwas besser zu lösen, als es gigantisch teure Forschungsprojekte konnten. Ebenso die Sendungen zu UGC in der Filmproduktion (“Wir sind das Studio!”) oder zur Genforschung zuhause im Bad (“DIY Bio“).

Das Ziel, auf dem Mond zu landen ist allerdings das prototyische Symbol für die Großprojekte der Vergangenheit. Deshalb freut es mich, auf den Lunar XPRIZE noch einmal zurückzukommen. Denn es gibt gute Neuigkeiten von den Part Time Scientists!

Die Anforderung des Lunar XPRIZE ist ja:

  • Einen Rover sicher auf dem Mond zu landen,
  • sich damit 500 Meter über, auf oder unter der Mondoberfläche zu bewegen
  • und einen Mooncast zurückzuschicken, in HDTV.

Dafür sind 30 Millionen Dollar Preisgeld  im Jackpot. Und für einige Teams gab es jetzt Milestone-Preise zwischendurch, für Landing, Mobility und Imaging. Und unser deutsches (allerdings global vernetztes) Team räumt da in zwei Kategorien ab, bei Mobility und Imaging, wofür es schon einmal eine ¾-Millionen Dollar gibt. CU on the moon.

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